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Blauer Kompaktwagen in Seitenansicht am Straßenrand

14. September 2026 · 10 Min. Lesezeit

Wertverlust nach 50.000 km: wie viel dein Auto noch wert ist

Nach 50.000 km ist das beste Alltagsauto noch zwei Drittel wert, das schwächste nur ein Drittel – fast 15.000 Euro Unterschied. Die Top 10 Gewinner und Verlierer mit Zahlen.

50.000 Kilometer – das ist für die meisten Autos die Laufleistung nach gut drei Jahren. Genau an dieser Marke entscheidet sich, ob dein Fahrzeug noch gut die Hälfte seines Neupreises wert ist oder schon zwei Drittel verloren hat. Zwischen dem besten und dem schlechtesten Alltagsauto liegen dabei rund 37 Prozentpunkte. Bei einem Neupreis von 40.000 Euro sind das fast 15.000 Euro Unterschied – für dieselbe Zeit, dieselbe Laufleistung.

Wir haben die aktuellen Restwert-Analysen ausgewertet und zwei Ranglisten gebaut: die zehn wertstabilsten und die zehn schwächsten Modelle. Sportwagen und Exoten sind bewusst ausgeschlossen – es geht um Autos, die Menschen tatsächlich jeden Tag fahren.

Vorab: Woher die Zahlen kommen

Ehrlichkeit vor Klickzahlen: Eine offizielle Rangliste für exakt 50.000 Kilometer gibt es nicht. Die etablierten Institute rechnen mit 60.000 Kilometern – das entspricht drei bis vier Jahren bei durchschnittlicher Fahrleistung. Bei 50.000 Kilometern liegen die Restwerte entsprechend etwas höher, die Rangfolge der Modelle bleibt aber praktisch identisch. Genau darum funktioniert diese Liste als Orientierung.

  • Liste 1 basiert auf dem „Wertmeister 2025" von Schwacke/Autovista: 36 Monate, 60.000 km, Basis sind Händler-Einkaufswerte in Deutschland.
  • Liste 2 basiert auf einer Carvago-Auswertung von März 2026: reale Inseratspreise von Fahrzeugen mit Erstzulassung 2022, verglichen mit Angeboten aus dem vierten Quartal 2025.
Wichtig beim Vergleichen: Händler-Einkaufswerte liegen systematisch unter dem, was du privat erzielst. Die Prozentzahlen der beiden Listen sind deshalb nicht eins zu eins vergleichbar. Jede Liste ist in sich stimmig – quer über beide zu rechnen, wäre unseriös.

Top 10: Die Autos mit dem geringsten Wertverlust

Restwert nach drei Jahren und 60.000 Kilometern, in Prozent vom Neupreis. Je höher, desto besser. Der ebenfalls ausgezeichnete Porsche 911 (63,0 %) fehlt hier bewusst – Sportwagen gehören nicht in eine Alltagsliste.

#ModellSegmentRestwert
1Mercedes G-KlasseSUV Mittel-/Oberklasse67,6 %
2Citroën BerlingoVan62,4 %
3Dacia DusterKompakt-SUV60,6 %
4Mini CooperKleinwagen59,1 %
5Audi A6 Avant e-tronElektro Kompakt-/Oberklasse57,1 %
6Volvo EX90Elektro-SUV55,5 %
7Mercedes CLEMittelklasse55,0 %
8Mini AcemanKleinwagen elektrisch54,9 %
9Audi A3 SportbackKompaktklasse53,7 %
10Audi A6 Avant e-tronOberklasse51,7 %

Der Audi A6 Avant e-tron taucht zweimal auf, weil er zwei Kategorien gewonnen hat. Die Liste bildet Klassensieger ab – also das jeweils wertstabilste Auto seines Segments, nicht eine durchgehende Rangfolge aller Fahrzeuge am Markt.

Warum diese Autos gewinnen: zwei völlig verschiedene Muster

Auffällig ist, dass die Sieger aus zwei gegensätzlichen Ecken kommen – und die Mitte dazwischen verliert:

  • Günstig positioniert, wenig Fallhöhe: Dacia Duster und Citroën Berlingo starten mit niedrigen Listenpreisen und werden kaum rabattiert. Wo der Neupreis ehrlich ist, bricht der Gebrauchtpreis nicht ein.
  • Kultstatus und knappes Angebot: Mercedes G-Klasse und Mini leben von konstant hoher Nachfrage bei begrenzter Stückzahl. Wer heute einen gebrauchten will, zahlt fast Neupreis.
  • Kleinwagen werden knapp: Weil immer mehr Hersteller kleine Modelle wegen der Emissionsvorgaben aus dem Programm nehmen, steigen die Gebrauchtpreise der verbliebenen. Ein Effekt, der bis vor wenigen Jahren noch andersherum lief.
Die wichtigste Erkenntnis: Ein hoher Listenpreis schützt nicht vor Wertverlust – er beschleunigt ihn oft. Entscheidend ist, wie stark ein Modell im Neuwagen- Geschäft rabattiert wird. Große Nachlässe beim Kauf bedeuten kleine Restwerte beim Verkauf.

Die Vier-Jahres-Prognose als zweite Meinung

Das Analysehaus bähr & fess forecasts prognostiziert für den Zeitraum bis 2029 (vier Jahre, 60.000 km, Basis Listenpreis) ein sehr ähnliches Bild: Die Mercedes G-Klasse führt mit 64,5 Prozent, bei den Kleinwagen teilen sich Mini One und Audi A1 Sportback mit je 57,0 Prozent die Spitze. VW Golf 1.0 TSI, Audi A3 30 TFSI und Mercedes CLA 180 liegen gleichauf bei 55,5 Prozent, das Tesla Model Y erreicht 55,2 Prozent. Der Toyota Aygo X hält als Kleinstwagen noch 50,4 Prozent.

Zur Einordnung: Im Schnitt über alle Klassen verliert ein Neuwagen laut bähr & fess rund 24 Prozent allein im ersten Jahr, danach jeweils etwa fünf bis sechs Prozent pro Jahr. Mehr dazu im Beitrag Neuwagen-Wertverlust im ersten Jahr.

Top 10: Die Autos mit dem höchsten Wertverlust

Hier zählt der tatsächliche Wertverlust nach drei Jahren, gemessen an echten Angebotspreisen. Je höher der Prozentwert, desto schmerzhafter. Der Porsche Taycan (−56,6 %) wäre auf Rang drei gelandet, fällt aber unter unsere Sportwagen-Regel.

#ModellAntriebWertverlust
1Mercedes EQEElektro−69,7 %
2Citroën ë-BerlingoElektro−57,9 %
3Peugeot e-208Elektro−53,6 %
4Hyundai Kona ElectricElektro−52,3 %
5Škoda EnyaqElektro−51,7 %
6VW ID.3Elektro−51,2 %
7Audi e-tronElektro−50,7 %
8Mercedes E-KlasseVerbrenner−49,3 %
9VW ID.4Elektro−46,1 %
10BMW iX3Elektro−46,1 %

Der Mercedes EQE ist der eindeutige Verlierer: Nach drei Jahren sind nicht einmal mehr 31 Prozent des Listenpreises übrig. Bei einem Neupreis von rund 70.000 Euro bedeutet das knapp 49.000 Euro Verlust – deutlich mehr, als die meisten Menschen je für ein Auto ausgeben.

Der Fall Berlingo: dasselbe Auto, zwei Welten

Das aufschlussreichste Detail steckt im Vergleich beider Listen. Der Citroën Berlingo als Verbrenner steht auf Platz 2 der Gewinner. Der ë-Berlingo – gleiche Karosserie, gleiche Sitze, gleicher Kofferraum – steht auf Platz 2 der Verlierer. Der Unterschied liegt ausschließlich im Antrieb.

Dieses Muster zieht sich durch die gesamte Untersuchung: In allen zehn untersuchten Modellpaaren verlor die Elektroversion mehr als ihr Verbrenner-Pendant. Am größten war die Lücke beim Hyundai Kona – 52,3 Prozent Verlust elektrisch gegenüber 25,9 Prozent als Benziner, also 26 Prozentpunkte Unterschied.

Warum Elektroautos aktuell stärker verlieren

  • Technik altert schneller als Blech: Ein drei Jahre altes E-Auto hinkt aktuellen Modellen bei Reichweite und Ladegeschwindigkeit oft sichtbar hinterher. Beim Verbrenner spielt das kaum eine Rolle.
  • Die Förderung wirkt nach: Der bis Dezember 2023 gezahlte Umweltbonus von bis zu 9.000 Euro drückte die Gebrauchtpreise innerhalb eines Jahres um rund zehn Prozent – wer gegen einen subventionierten Neuwagen antritt, verliert.
  • Unsicherheit beim Akku: Käufer wissen nicht, wie gesund die Batterie ist, und rechnen den Zweifel vom Preis ab. Seit 2026 ist der SoH-Wert (State of Health) offizieller DAT-Bewertungsstandard – das entschärft das Problem allmählich.
  • Luxus trifft es doppelt: Ober- und Luxusklasse verliert ohnehin überdurchschnittlich. Elektrisch und teuer ist die ungünstigste Kombination – siehe EQE und Audi e-tron.

Über alle Modelle gemittelt zeigt der DAT-Report 2026 nach drei Jahren folgende Restwerte: Benziner 62,7 Prozent, Diesel 61,1 Prozent, Elektro 51,5 Prozent. Der Abstand von gut elf Prozentpunkten ist real – aber er gilt für den Durchschnitt, nicht für jedes einzelne Auto. Details im Beitrag E-Auto vs. Verbrenner.

Die Wende läuft bereits: Nach dem Förder-Ende brachen die E-Neuzulassungen 2024 um mehr als ein Viertel ein. Genau dieser Jahrgang kommt 2026 aus dem Leasing zurück – und fehlt. Die Folge: Gebrauchte E-Autos werden aktuell wieder teurer. Wer heute ein junges Elektroauto kauft, trifft auf einen deutlich freundlicheren Markt als noch 2024.

Was das für deine Entscheidung heißt

  • Beim Neukauf: Frag nicht nur nach dem Rabatt, sondern nach dem Restwert. Ein Auto mit 20 Prozent Nachlass und schwachem Restwert ist am Ende teurer als eines ohne Nachlass, das seinen Wert hält.
  • Beim Gebrauchtkauf: Die Verlierer-Liste ist deine Einkaufsliste. Der Vorbesitzer hat den Wertverlust bereits bezahlt – ein drei Jahre alter EQE für weniger als ein Drittel des Neupreises ist ein starkes Angebot.
  • Beim Verkauf: Die 50.000-Kilometer-Marke liegt noch vor den großen Preisschwellen. Warum Laufleistung so hart durchschlägt, erklärt Kilometerstand und Wertverlust.
  • Beim Leasing: Schwache Restwerte bedeuten hohe Raten – und beim Restwertleasing trägst du das Risiko selbst. Siehe Restwertleasing vs. Kilometerleasing.

Der Haken an jeder Rangliste

Diese Listen gelten für Durchschnittsfahrzeuge in Standardausstattung. Dein Auto ist aber keine Statistik: Ausstattung, Farbe, Scheckheft, Vorbesitzerzahl und Region verschieben den Wert oft um mehrere tausend Euro – nach oben wie nach unten. Eine Tabelle sagt dir, in welcher Liga du spielst. Sie sagt dir nicht, was dein Auto wert ist.

Der Restwert Rechner geht deshalb den umgekehrten Weg: Statt einer Pauschalformel prüft er dein konkretes Fahrzeug anhand aktueller Marktdaten – mit deiner Laufleistung, deiner Haltedauer und deiner Ausstattung. Du bekommst den Marktwert heute und die Wertkurve für die nächsten Jahre, nicht nur eine Durchschnittszahl.

Quellen

  • Schwacke/Autovista, „Wertmeister 2025" (36 Monate / 60.000 km, Händler-Einkaufswerte, Datenbasis Mai bis Juli 2025)
  • bähr & fess forecasts, „Restwertriesen 2029" (4 Jahre / 60.000 km, Basis Listenpreis, Stand September 2025) sowie bähr & fess analytics, E-Auto-Prognose Juli 2026
  • Carvago-Auswertung März 2026 (Erstzulassung 2022 gegenüber Inseratspreisen Q4/2025, deutscher Markt)
  • DAT-Report 2026 (Restwerte nach Antriebsart, drei Jahre)
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