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VW ID.4 GTX, elektrisches Mittelklasse-SUV

Foto: Alexander Migl / Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0

17. Oktober 2026 · 14 Min. Lesezeit

VW ID.4 und ID.5 Wertverlust: Prognose und Marktpreise

Der ID.4 hält seinen Wert besser als jedes andere ID-Modell und liegt trotzdem 11,6 Punkte hinter dem Tiguan Diesel. Dazu: Was der ID. Tiguan bedeutet.

VW ID.4 und ID.5 kommen zwischen Januar und September 2026 auf 18.584 Neuzulassungen und damit auf Platz 6 der deutschen Elektro-Statistik. Eine Carvago-Auswertung beziffert den Wertverlust der 2022er ID.4 auf 46,1 Prozent – das ist der beste Wert aller VW-ID-Modelle in dieser Erhebung und trotzdem 11,6 Prozentpunkte schlechter als beim Tiguan Diesel. Seit dem 9. Oktober 2026 gibt es zusätzlich eine harte Zäsur: Der ID. Tiguan ist vorgestellt, er ersetzt ID.4 und ID.5 gleichzeitig.

Eine Zahl, zwei Autos: wie das KBA zählt

Die 18.584 Neuzulassungen sind keine ID.4-Zahl. Das Kraftfahrt-Bundesamt führt ID.4 und ID.5 in einer gemeinsamen Modellzeile, weil es technisch dasselbe Auto mit zwei Karosserieformen ist – der ID.5 ist die Coupé-Variante mit flacherem Heck. Eine getrennte Aufschlüsselung veröffentlicht das KBA nicht. Wer also liest „ID.4 ist das sechstbeliebteste E-Auto“, liest eine Summe. Für den Gebrauchtmarkt ist das relevant, weil die beiden Varianten unterschiedlich bewertet werden: Der ID.5 war neu teurer, ist seltener und hat weniger Kofferraum über der Ladekante. Eine Einordnung aller Top-Modelle steht in der Übersicht zum Wertverlust der beliebtesten E-Autos.

Marktstart und Neupreis

Der ID.4 wurde im September 2020 vorgestellt, die Auslieferungen in Deutschland begannen im März 2021. Die Basisversion Pure mit 52-kWh-Akku war ab Februar 2021 bestellbar und kostete mindestens 36.950 Euro; die Markteinführung lief zunächst über die teureren First-Edition-Modelle. Der ID.5 folgte: Vorverkaufsstart November 2021, Produktion ab Januar 2022, Marktstart im Frühjahr 2022. Preise damals: ID.5 Pro 46.515 Euro, Pro Performance 47.550 Euro, GTX 53.615 Euro.

Zum Modelljahr 2024 kam die Modellpflege, und sie war mehr als Kosmetik: Der Pro legte auf 286 PS zu (plus 82 PS), das Display wuchs auf 12,9 Zoll und die viel kritisierte Software wurde in Menüstruktur und Bedienlogik neu aufgebaut. Heute kostet der ID.4 Pure mit 125 kW ab 40.335 Euro, der ID.4 GTX ab 53.225 Euro; der ID.5 liegt zwischen 43.360 und 54.815 Euro. Der Einstiegspreis des ID.4 ist also in fünf Jahren um rund 3.400 Euro gestiegen – anders als beim VW ID.7, wo sinkende Neupreise den Gebrauchtmarkt regelrecht nach unten gezogen haben.

Was gebrauchte Exemplare heute kosten

Stichprobe aus Gebrauchtwagen-Inseraten und einem Gebrauchtwagen-Test, Oktober 2026. Keine Durchschnitte, keine Statistik – vier Beobachtungen:

VarianteErstzulassung / kmListe → AngebotVerlust
ID.4 Pure Performance2021 / 59.748 km41.710 € → 19.180 €≈ 54 %
ID.4 Jahrgang 2022 (Mittel)2022 / 45.100 kmab 36.950 € → 30.833 €–
ID.5 Jahrgang 2022 (Mittel)2022 / 46.140 kmab 46.515 € → 30.169 €≈ 35 %
ID.5 GTX2022 / 64.000–110.000 km53.615 € → 27.489–30.880 €42–49 %

Die zweite Zeile hat bewusst keinen Prozentwert: Der Jahrgang 2022 umfasst Pure, Pro und GTX mit Neupreisen zwischen 36.950 und über 55.000 Euro. Ein Prozentwert gegen den Einstiegspreis wäre hier reine Zahlenkosmetik. Der härteste Einzelfall ist der getestete ID.4 Pure Performance: 19.180 Euro Angebotspreis gegen 41.710 Euro Liste sind 22.530 Euro Verlust in rund fünf Jahren – also etwa 375 Euro pro Monat. Alle genannten Werte sind Angebotspreise. Was tatsächlich gezahlt wird, liegt darunter; wie weit, weiß nur der Verkäufer.

Der bereits realisierte Wertverlust

Für Fahrzeuge mit Erstzulassung 2022 weist die Carvago-Auswertung (berichtet von autohaus.de) für den ID.4 einen Verlust von 46,1 Prozent aus, gemessen an den Angebotspreisen im vierten Quartal 2025. Der Tiguan Diesel verlor im selben Vergleich 34,5 Prozent. Die Erhebung legt Laufleistung und Stichprobengröße nicht offen – die Zahl taugt für die Richtung, nicht für die zweite Dezimalstelle. Im Vergleich: Der technisch identische Škoda Enyaq liegt in derselben Auswertung bei 51,7 Prozent, der ID.3 bei 51,2 Prozent. Der ID.4 ist damit das wertstabilste MEB-Modell der Erhebung.

Der Grund ist unspektakulär: Der ID.4 war von Anfang an ein Flottenauto mit stabiler Nachfrage, und VW hat den Einstiegspreis nie unter das Startniveau gedrückt. Trotzdem bleibt die Lücke zum Diesel groß – der DAT-Report 2026 sieht dreijährige Elektroautos bei 51,5 Prozent Restwert gegenüber 62,7 Prozent bei Benzinern. Die Mechanik dahinter steht unter Elektroauto-Wertverlust und E-Auto gegen Verbrenner.

Der ID.5 ist ab 2027 ein Auslaufmodell ohne Nachfolger. Volkswagen hat am 9. Oktober 2026 den ID. Tiguan vorgestellt, der ID.4 und ID.5 gemeinsam ersetzt. Eine eigene Coupé-Variante ist nicht angekündigt. Für Restwerte heißt das zweierlei: Der Modellname verschwindet, was Käufer verunsichert – gleichzeitig wird das Angebot begrenzt, weil nichts mehr nachkommt. Welcher Effekt überwiegt, lässt sich heute nicht messen, nur abwägen.

Prognose: unsere Einschätzung

Eine veröffentlichte Restwertprognose speziell für ID.4 oder ID.5 gibt es nicht. Im Wertmeister 2026 von AUTO BILD und JD Power Schwacke (36 Monate, 60.000 Kilometer, Basis Händlereinkaufswerte) gewinnt in der Klasse der elektrischen Kompakt- bis Oberklasse-SUV der BMW iX3 mit 57,7 Prozent. Kein VW-ID-Modell ist unter den Klassensiegern. Unsere Einschätzung für einen heute gekauften ID.4 Pure (40.335 Euro Liste, 15.000 Kilometer pro Jahr, mittlere Ausstattung, Privatverkauf) – ausdrücklich eine Spanne:

  • Nach 3 Jahren: 42 bis 48 Prozent Restwert, also rund 17.000 bis 19.500 Euro. Hergeleitet aus dem gemessenen 2022er-Wert von 53,9 Prozent Restwert, abzüglich eines Abschlags, weil das Auto ab 2027 ein ausgelaufenes Modell ist und der Nachfolger ab 42.695 Euro mit bis zu 600 Kilometern Reichweite daneben steht.
  • Nach 5 Jahren: 27 bis 34 Prozent Restwert, also rund 11.000 bis 13.700 Euro. Hergeleitet aus dem allgemeinen Fünfjahresverlauf (bähr & fess: 52 bis 56 Prozent über alle Antriebe) minus dem Elektro-Abschlag und dem Auslaufmodell-Effekt.
  • Für den ID.5 erwarten wir im Schnitt ein bis drei Prozentpunkte unter dem ID.4 – höhere Neupreise bei gleichem Gebrauchtnutzen sind prozentual teuer. Das ist eine Einschätzung aus der Preisstruktur, kein Messwert.

Mit deiner Ausstattung, deinem Kilometerstand und deinem Datum rechnet der Restwert-Rechner das individuell durch. Wie stark die Laufleistung dabei wiegt, steht unter Kilometerstand und Wertverlust.

Modellzyklus, Technik, Nachfolger

Der entscheidende Termin ist gerade vorbei: Am 9. Oktober 2026 hatte der ID. Tiguan Weltpremiere, der Vorverkauf in Deutschland startete am 13. Oktober 2026 ab 42.695 Euro. Er steht auf der weiterentwickelten MEB+-Plattform, fährt bis zu 600 Kilometer nach WLTP, startet mit einem 58-kWh-Akku und wird ab Ende 2026 in Emden gebaut; der Marktstart in Europa ist für Anfang 2027 angekündigt (Herstellerangabe). Er übernimmt die Rolle von ID.4 und ID.5.

Was das für vorhandene Autos bedeutet, ist klar abgestuft. Fahrzeuge vor Modelljahr 2024 haben das alte Infotainment mit den kleineren Displays und die schwächeren Motoren – das ist der größte Preissprung innerhalb der Baureihe und lässt sich nicht nachrüsten. Fahrzeuge ab Modelljahr 2024 sind technisch nah am Schlussstand. Ab 2027 wird der Namenswechsel zum zweiten Trennstrich: „ID.4“ steht dann für eine abgeschlossene Generation.

Bekannte Schwachstellen aus dem Gebrauchtwagen-Test: instabiles und träges Infotainment in Baujahren vor 2024, ausfallende Türgriffe durch Wassereintritt (bis 2024), Bremsenverschleiß durch wenig genutzte mechanische Bremsen, früher Radlagerverschleiß mit Geräuschen, gelegentliche Ladeprobleme an DC-Säulen. Der Batteriezustand liegt laut demselben Test typischerweise bei 85 bis 90 Prozent nach rund 100.000 Kilometern; die Garantie läuft acht Jahre oder 160.000 Kilometer bis zur 70-Prozent-Grenze.

Die drei Hauptkonkurrenten

ModellEinordnungEinstiegspreis
Peugeot e-3008eigene STLA-Plattform, teurer Einstiegab 48.900 €
Toyota bZ4Xgünstigster Einstieg, überarbeitete Generationab 42.900 €
Opel Grandland ElectricKonzernbruder des e-3008, breiteres Angebotab 44.990 €

Der Peugeot e-3008 startet rund 8.500 Euro über dem ID.4 Pure – prozentual gleiche Verluste kosten dort absolut deutlich mehr. Der Toyota bZ4X ist der direkte Preiskonkurrent und profitiert vom Marken-Ruf bei Wiederverkaufswerten. Der Opel Grandland Electric nutzt dieselbe Technik wie der Peugeot, liegt aber unter dessen Preis. Eine Klasse darüber und mit eigener Dynamik unterwegs: der Ford Mustang Mach-E ab 56.500 Euro.

Für Käufer

  • Modelljahr 2024 oder jünger kaufen, wenn du Software und Bedienung im Alltag nutzen willst. Der Sprung auf 12,9 Zoll und die neue Menüstruktur ist der wichtigste Unterschied innerhalb der Baureihe.
  • Türgriffe und Bremsen prüfen. Beides sind dokumentierte Schwachstellen bis Baujahr 2024 und beides sieht man bei der Probefahrt.
  • SoH-Wert auslesen lassen. 85 bis 90 Prozent nach 100.000 Kilometern sind normal. Deutlich darunter ist ein Preisargument, nicht automatisch ein Garantiefall – die greift erst unter 70 Prozent.
  • Jetzt verhandeln, nicht 2027. Der ID. Tiguan drückt in den nächsten Monaten auf die Preise aller ID.4 und ID.5. Als Käufer arbeitet dieser Effekt für dich.
  • Ausstattung nicht überbezahlen. Wärmepumpe und Anhängevorrichtung sind gebraucht Geld wert, Lackfarben und große Räder kaum – siehe Sonderausstattung und Wertverlust.

Für Verkäufer

  • Das Zeitfenster ist jetzt. Zwischen Premiere des Nachfolgers und seinen ersten Auslieferungen liegen Monate, in denen dein Auto noch als „aktuelles Modell“ gelesen wird. Ab den ersten ID.-Tiguan-Auslieferungen 2027 ist das vorbei.
  • Beim ID.5 die Seltenheit betonen. Der ID.5 bekommt keinen Nachfolger. Das ist ein Verkaufsargument gegenüber Käufern, die genau diese Karosserieform wollen.
  • Softwarestand dokumentieren. VW hat über die Baujahre erheblich nachgebessert. Die eingespielte Version gehört ins Inserat.
  • Privat statt Eintausch, wenn du Zeit hast – Händler kalkulieren bei auslaufenden E-Modellen ein höheres Standzeitrisiko. Weitere Hebel: Wiederverkaufswert steigern.
  • Nicht auf Erholung warten. Zum Timing allgemein siehe bester Zeitpunkt zum Autoverkauf.

Quellen

  • Kraftfahrt-Bundesamt, Neuzulassungen Januar bis September 2026 – VW ID.4/ID.5 gemeinsam 18.584 Fahrzeuge, Platz 6 der BEV-Statistik; beide Modelle werden in einer Modellzeile geführt
  • t3n, motor1 und Wikipedia (2021) – ID.4 Auslieferungsstart Deutschland März 2021, Basisversion Pure ab 36.950 Euro, bestellbar ab Februar 2021
  • electrive (November 2021) und ADAC-Autokatalog – ID.5 Vorverkauf ab November 2021, Pro 46.515 €, Pro Performance 47.550 €, GTX 53.615 € (Bauzeit 01/2022 bis 07/2022), danach 56.455 €
  • electrive und motorsport-total (September 2023) – Modellpflege Modelljahr 2024: Pro mit 286 PS, 12,9-Zoll-Display, neu aufgebaute Software
  • AUTO BILD, Modellseiten VW ID.4 und ID.5 (Stand Oktober 2026) – ID.4 Pure ab 40.335 €, ID.4 GTX ab 53.225 €, ID.5 von 43.360 bis 54.815 €
  • AUTO BILD, Gebrauchtwagen-Test VW ID.4 – Pure Performance, Erstzulassung 2021, 59.748 km, Angebotspreis 19.180 € gegen 41.710 € Liste (54 Prozent); dort auch SoH-Werte, Garantiebedingungen und Schwachstellenliste
  • AutoUncle (Oktober 2026) – ID.4 Jahrgang 2022 von 22.945 bis 39.250 €, Mittel 30.833 € bei Median 45.100 km; ID.5 Jahrgang 2022 Mittel 30.169 € bei 46.140 km
  • mobile.de (Oktober 2026) – ID.5 GTX Baujahr 2022 von 27.489 bis 30.880 € bei 64.387 bis 110.160 km; Preisbewertung „fairer Preis“ 33.840 bis 42.464 €
  • Carvago-Auswertung, berichtet von autohaus.de und ecomento (April 2026) – ID.4 minus 46,1 Prozent, Tiguan Diesel minus 34,5 Prozent, ID.3 minus 51,2 Prozent, Škoda Enyaq minus 51,7 Prozent; Basis Erstzulassung 2022 gegen Angebote im vierten Quartal 2025
  • Volkswagen Newsroom und ecomento (9. Oktober 2026) – Weltpremiere ID. Tiguan als Nachfolger von ID.4 und ID.5, Vorverkauf Deutschland ab 13. Oktober 2026 ab 42.695 €, MEB+, bis 600 km WLTP, Produktion Emden ab Ende 2026, Marktstart Europa Anfang 2027
  • AUTO BILD und JD Power Schwacke, Wertmeister 2026 – elektrische Kompakt- bis Oberklasse-SUV: Sieger BMW iX3 mit 57,7 Prozent nach 36 Monaten und 60.000 km
  • DAT-Report 2026 – Elektro 51,5 Prozent, Benzin 62,7 Prozent Restwert nach drei Jahren; bähr & fess, allgemeiner Marktverlauf über fünf Jahre

Einschränkung zur Methodik: Die Tabellenwerte sind beobachtete Angebotspreise aus Inseraten und einem Gebrauchtwagen-Test, teils als Spanne oder Mittel einer Plattformauswertung – keine gewichteten Marktdurchschnitte und keine Verkaufspreise. Die Carvago-Zahlen nennen keine Laufleistung, der Wertmeister rechnet mit Händlereinkaufswerten und ist deshalb nicht direkt mit Privatpreisen vergleichbar. Die Spannen für drei und fünf Jahre sind unsere Einschätzung, hergeleitet aus Segment-Benchmark und Modellzyklus. Allgemeine Vergleichswerte stehen in der Wertverlust-Tabelle.

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