
Foto: Alexander-93 / Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0
24. Oktober 2026 · 11 Min. Lesezeit
VW Tiguan Wertverlust: 68 Prozent Restwert nach drei Jahren
Der meistverkaufte Verbrenner-SUV hält prozentual mehr als fast jedes E-Auto: 68 Prozent Restwert laut Schwacke, nur 34,5 Prozent Verlust bei Jahrgang 2022 – gegen 46,1 beim ID.4.
Der VW Tiguan ist der Maßstab, an dem sich im Kompakt-SUV-Segment alles messen lässt: im September 2026 mit 5.751 Neuzulassungen auf Platz 3 der deutschen Pkw-Statistik, rund 57.743 Zulassungen in zwölf Monaten. Genau deshalb taucht er in unserem ID.4-Artikel als Vergleichswert auf – und dort steht auch die wichtigste Zahl schon: Der Tiguan Diesel verlor laut Carvago 34,5 Prozent, der elektrische ID.4 im selben Vergleich 46,1 Prozent. Hier stehen die Zahlen zum Verbrenner im Detail, getrennt nach Prognose und gemessenem Marktverlust.
Marktstart und Neupreis
Seit 2024 läuft die dritte Generation (intern Typ CT). Sie ist deutlich teurer geworden: Die Vorgänger-Generation startete mit 130 PS noch bei 31.545 Euro, die neue 1.5 eTSI mit 130 PS kam zum Marktstart bei 36.600 Euro heraus und liegt seit Februar 2025 bei 38.250 Euro. Nach oben wird die Spanne breit:
| Variante | Ausstattung | Listenpreis |
|---|---|---|
| 1.5 eTSI 130 PS | Basis | ab 38.250 € |
| 1.5 eTSI 150 PS | Life | ab 41.040 € |
| 2.0 TDI 150 PS | Basis | ab 41.025 € |
| 1.5 eTSI 150 PS | R-Line | ab 47.185 € |
| 2.0 TDI 150 PS | R-Line | ab 49.615 € |
Dieser Preissprung ist für den Wertverlust zweischneidig. Für ältere Tiguan ist er gut: Je teurer der Neuwagen daneben steht, desto wertstabiler wirkt der Gebrauchte. Für den Neuwagenkäufer ist er schlecht: Ein höherer Neupreis heißt bei gleichem Prozentsatz mehr verlorene Euro. Warum das erste Jahr dabei am meisten kostet, steht unter Neuwagen-Wertverlust.
Restwert-Prognose: was die Listen sagen
Für den Tiguan gibt es – anders als für viele E-Autos – eine klassische Restwertprognose auf Schwacke-/DAT-Basis. Ein Tiguan 2.0 TDI mit rund 39.600 Euro Neupreis wird mit einem Restwert von 68 Prozent nach drei Jahren geführt, also etwa 26.928 Euro. Das entspricht 32 Prozent Wertverlust – ein für ein Massen-SUV sehr guter Wert.
Zum Einordnen der Größenordnung dient der DAT-Report 2026, der den Durchschnitt nach Antriebsart ausweist:
| Antrieb | Restwert nach 3 Jahren |
|---|---|
| Benzin | 62,7 % |
| Diesel | 61,1 % |
| Elektro | 51,5 % |
Der Tiguan TDI liegt mit 68 Prozent über dem Diesel-Durchschnitt – das ist der Marken- und Nachfragebonus eines Dauerbestsellers. Nach fünf Jahren fällt ein Kompakt-SUV im Marktmittel auf rund 46 Prozent. Die allgemeine Kurve nach Jahren und Kilometern steht in der Wertverlust-Tabelle.
Der bereits realisierte Wertverlust
Belastbarer als jede Prognose ist der gemessene Markt. Die Carvago-Auswertung (berichtet von autohaus.de und ecomento) hat für Fahrzeuge mit Erstzulassung 2022 die Angebotspreise im vierten Quartal 2025 verglichen. Ergebnis für den Tiguan Diesel: minus 34,5 Prozent. Im selben Vergleich verlor der VW ID.4 46,1 Prozent und der VW ID.3 51,2 Prozent.
Das sind 11,6 Prozentpunkte Abstand zwischen dem Tiguan Diesel und dem technisch benachbarten Elektro-SUV aus demselben Konzern – und genau diese Lücke ist der Grund, warum der Verbrenner beim Wiederverkauf (noch) im Vorteil ist. Woran das liegt und warum Käufer die Zahl umgekehrt lesen sollten, steht unter E-Auto gegen Verbrenner.
TDI, TSI oder eHybrid – welcher Antrieb hält den Wert?
Der Antrieb entscheidet beim Tiguan spürbar mit:
- 2.0 TDI: der Restwert-König der Baureihe. Vielfahrer, Anhängerzieher und Flotten fragen den Diesel gebraucht gezielt nach – solange keine neuen Fahrverbote dazwischenkommen. Die Langstrecken-Logik dahinter steht unter Diesel-Restwert 2026.
- 1.5 eTSI (Mild-Hybrid-Benziner): das Volumenmodell, breite Nachfrage, etwas unter dem TDI beim Restwert, aber ohne Diesel-Risiko. Für Normalfahrer die sicherste Wahl.
- eHybrid (Plug-in): der Wackelkandidat. Hoher Neupreis, der Restwert hängt am Förderumfeld und an der Akkugarantie. Prozentual oft schwächer als TDI und eTSI – mehr dazu, warum Elektroanteile den Wert drücken können, unter Elektroauto-Wertverlust.
Was gebrauchte Exemplare heute kosten
Zwei Beobachtungen aus der Schwacke-Bewertung von autokostencheck, Stand 2026 – keine Durchschnitte, sondern Momentaufnahmen des Vorgängers (5N):
| Variante | Baujahr | Aktueller Wert |
|---|---|---|
| Tiguan 2.0 TDI (116 PS) | 2016–2024 | 21.900 € (April 2026) |
| Tiguan 2.0 TDI (122 PS) | 2020–2024 | 25.760 € (Juni 2026) |
Die Preise liegen auch mit einigen Jahren und Kilometern auf dem Buckel noch stabil im Zwanzigtausender-Bereich – das ist das Pfund des Tiguan. Wie stark die Laufleistung dabei wiegt, zeigt Kilometerstand und Wertverlust.
Prozent sind nicht Euro
Die wichtigste Falle bleibt dieselbe wie bei allen Modellen: Ein hoher Restwert in Prozent ist nicht automatisch wenig verlorenes Geld. Der Tiguan hält prozentual mehr als fast jedes E-SUV – aber die neue Generation ist eben auch teurer geworden.
- Ein 2.0 TDI R-Line für 49.615 Euro verliert bei 68 Prozent Restwert in drei Jahren rund 15.900 Euro.
- Ein 1.5 eTSI Basis für 38.250 Euro verliert bei gleichem Prozentsatz nur rund 12.200 Euro.
Gleicher Prozentwert, fast 3.700 Euro Unterschied – allein wegen des Neupreises. Wer den Wertverlust als Kostenposten ernst nimmt, rechnet deshalb immer in Euro. Welche Extras das Euro-Ergebnis verbessern, steht unter Sonderausstattung und Wertverlust.
Prognose: unsere Einschätzung
Für einen heute gekauften Tiguan (2.0 TDI Life, 43.470 Euro Liste, 15.000 Kilometer pro Jahr, Privatverkauf) halten wir – ausdrücklich als Spanne, hergeleitet aus der Schwacke-Prognose, dem gemessenen Carvago-Verlust und dem Segment-Benchmark:
- Nach 3 Jahren: 62 bis 68 Prozent Restwert, also rund 27.000 bis 29.500 Euro. Der TDI zieht dabei das obere Ende, Benziner und eHybrid eher die Mitte.
- Nach 5 Jahren: 46 bis 52 Prozent Restwert, also rund 20.000 bis 22.600 Euro – im Einklang mit dem Kompakt-SUV-Mittel von rund 46 Prozent, mit Aufschlag für die Tiguan-Nachfrage.
- Risiko nach unten: neue Diesel-Fahrverbote oder ein Preisrutsch bei den elektrischen Konzernbrüdern (ID. Tiguan), der die gesamte SUV-Klasse nach unten zieht.
Mit deiner Ausstattung, deinem Kilometerstand und deinem Datum rechnet der Restwert-Rechner das individuell durch.
Tiguan gegen ID.4 und ID. Tiguan
Die spannendste Entscheidung steht gerade an: Volkswagen hat am 9. Oktober 2026 den ID. Tiguan vorgestellt, das elektrische Pendant, das perspektivisch ID.4 und ID.5 ersetzt. Für den Verbrenner-Tiguan heißt das nicht automatisch das Ende – er läuft weiter –, aber der Name „Tiguan“ wird künftig für zwei Antriebswelten stehen.
Für die Restwert-Frage bleibt es heute dabei: Der Verbrenner-Tiguan hält prozentual deutlich besser (34,5 gegen 46,1 Prozent Verlust bei Jahrgang 2022). Das ist ein Vorteil für Verkäufer von Verbrennern – und ein Argument für Gebrauchtkäufer eines E-Modells, die genau von dessen höherem Wertverlust beim Einkauf profitieren. Beide Seiten derselben Zahl stehen im Detail unter VW ID.4 und ID.5 Wertverlust.
Für Käufer
- TDI für Vielfahrer, eTSI für den Rest. Der Diesel hält den Wert am besten, lohnt aber nur bei hoher Laufleistung. Unter 15.000 Kilometern im Jahr ist der 1.5 eTSI die ruhigere Wahl.
- Vorgänger (5N) bewusst wählen. Gut ausgestattete Tiguan der zweiten Generation sind gebraucht das Preis-Leistungs-Optimum, seit die dritte Generation die Neupreise angehoben hat.
- Beim eHybrid die Akkugarantie prüfen. Restlaufzeit und Übertragbarkeit sind beim Plug-in der größte Preishebel.
- Ausstattung nicht überbezahlen. Anhängevorrichtung, Standheizung und Assistenzpakete zahlen sich gebraucht aus, große Räder und Sonderlacke kaum.
Für Verkäufer
- Den Diesel-Vorteil ausspielen. Solange keine neuen Fahrverbote drohen, ist der TDI das gefragteste Tiguan-Angebot – im Inserat gehört die Langstreckentauglichkeit nach vorn.
- Scheckheft und Inspektionsnachweise zeigen. Beim Massenmodell entscheidet die Lückenlosigkeit der Historie über den Preis – weitere Hebel unter Wiederverkaufswert steigern.
- Nicht auf Erholung warten. Der Tiguan verliert gleichmäßig; zum richtigen Timing siehe bester Zeitpunkt zum Autoverkauf.
Quellen
- Kraftfahrt-Bundesamt, Neuzulassungen September 2026 – VW Tiguan 5.751 Fahrzeuge, Platz 3 der Pkw-Statistik; rund 57.743 Neuzulassungen in zwölf Monaten
- autokostencheck.de (Schwacke-/DAT-Basis, 2026) – Tiguan 2.0 TDI Neupreis 39.600 €, Restwert nach drei Jahren 68 % (26.928 €), Wertverlust 32 %; Gebrauchtwerte 21.900 € (116 PS) und 25.760 € (122 PS)
- DAT-Report 2026 – Restwert nach drei Jahren: Benzin 62,7 %, Diesel 61,1 %, Elektro 51,5 %; Kompakt-SUV nach fünf Jahren rund 46 %
- Carvago-Auswertung, berichtet von autohaus.de und ecomento (April 2026) – Tiguan Diesel minus 34,5 %, ID.4 minus 46,1 %, ID.3 minus 51,2 %; Basis Erstzulassung 2022 gegen Angebote im vierten Quartal 2025
- motor1, AUTO BILD und ADAC-Autokatalog (2024/2025) – Preise der dritten Generation (Typ CT): 1.5 eTSI 130 PS ab 38.250 €, 2.0 TDI 150 PS von 41.025 € (Basis) bis 49.615 € (R-Line)
Einschränkung zur Methodik: Die 68-Prozent-Zahl ist eine Prognose aus Listendaten, kein gemessener Verkaufspreis. Die Carvago-Zahl ist ein beobachteter Verlust auf Angebotspreisbasis ohne offengelegte Laufleistung. Die Gebrauchtwerte sind Momentaufnahmen einzelner Varianten. Die Spannen für drei und fünf Jahre sind unsere Einschätzung, hergeleitet aus Prognose, gemessenem Verlust und Segment-Benchmark. Allgemeine Vergleichswerte stehen in der Wertverlust-Tabelle.
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