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Ladestecker steckt im Ladeanschluss eines Elektroautos

5. September 2026 · 11 Min. Lesezeit

Elektroauto-Wertverlust: Was E-Autos wirklich verlieren

51,5 % Restwert nach drei Jahren gegen 62,7 % beim Benziner: die belegten Zahlen zum E-Auto-Wertverlust, die Gründe und was die Batterie wert ist.

Zuletzt aktualisiert am 6. Oktober 2026

Elektroautos verlieren messbar schneller an Wert als Verbrenner – aber nicht so pauschal, wie es die Schlagzeilen nahelegen. Hier stehen die Zahlen, die es dazu tatsächlich gibt: Restwerte nach drei Jahren, derselbe Wagen einmal als Stromer und einmal als Benziner, und die Gründe hinter dem Abstand.

Die Zahl, um die es geht

Der DAT-Report 2026 misst die Restwerte dreijähriger Gebrauchtwagen über alle Modelle hinweg. Das Ergebnis:

AntriebRestwert nach 3 Jahren
Benzin62,7 %
Diesel61,1 %
Elektro51,5 %

Der Abstand beträgt also gut elf Prozentpunkte. Bei einem Neupreis von 45.000 Euro sind das rund 5.000 Euro zusätzlicher Verlust in drei Jahren, nur wegen des Antriebs. Wichtig ist die Leserichtung: 51,5 Prozent Restwert heißt 48,5 Prozent Verlust – ein E-Auto hat nach drei Jahren im Schnitt also etwa die Hälfte seines Neupreises hinter sich gelassen.

Derselbe Wagen, zwei Antriebe

Durchschnitte über ganze Antriebsarten haben eine Schwäche: E-Autos sind im Mittel teurer und moderner als die Verbrennerflotte, das verzerrt den Vergleich. Sauberer ist es, dieselbe Baureihe gegen sich selbst zu stellen. Eine Auswertung des Gebrauchtwagenhändlers Carvago von März 2026 hat das getan – verglichen wurden Fahrzeuge mit Erstzulassung 2022 gegen die Angebotspreise im vierten Quartal 2025:

ModellAntriebWertverlust
Hyundai KonaElektro−52,3 %
Hyundai KonaVerbrenner−25,9 %
Mercedes EQEElektro−69,7 %
Mercedes E-KlasseVerbrenner−49,3 %

Beim Kona ist der elektrische Zwilling damit doppelt so stark eingebrochen wie der Verbrenner. Der Mercedes EQE ist der härteste Fall der Auswertung: von rund 145.000 Euro Neupreis blieben etwa 43.880 Euro übrig. Das sind über 100.000 Euro Verlust in drei Jahren – und ein Hinweis darauf, dass teure Elektro-Oberklasse derzeit das größte Risiko trägt.

Die Kehrseite: Was für den Erstbesitzer ein Desaster ist, ist für den Zweitkäufer ein Angebot. Ein EQE für unter 45.000 Euro ist dasselbe Auto, das drei Jahre vorher dreimal so viel kostete. Beim Gebrauchtkauf arbeitet der E-Auto-Wertverlust für dich, nicht gegen dich.

Warum der Abstand entstanden ist

Der Wertverlust liegt kaum am Auto selbst – E-Motoren halten gut. Er kommt aus dem Marktumfeld, und zwar aus vier Richtungen gleichzeitig:

  • Wegfall der Kaufprämie: Solange der Staat Neuwagen gefördert hat, war der real gezahlte Neupreis niedriger als der Listenpreis. Der Restwert wird aber am Listenpreis gemessen – und der Gebrauchtmarkt orientiert sich an dem, was ein Neuwagen wirklich kostet. Mit dem Ende der Förderung fiel diese Stütze weg.
  • Preissenkungen der Hersteller: Senkt ein Hersteller den Listenpreis seines aktuellen Modells, verlieren alle bereits verkauften Exemplare über Nacht an Wert. Kein Käufer zahlt für einen zwei Jahre alten Wagen mehr als für einen neuen.
  • Technische Sprünge: Reichweite und Ladeleistung sind in kurzer Zeit deutlich gewachsen. Ein Modell von 2022 mit 300 Kilometern Reichweite und 100 kW Ladeleistung konkurriert heute mit Neuwagen, die beides klar übertreffen. Bei Verbrennern gibt es diesen Effekt praktisch nicht – ein drei Jahre alter Benziner ist technisch kaum veraltet.
  • Unsicherheit über die Batterie: Viele Gebrauchtwagenkäufer können den Zustand des Akkus nicht beurteilen und ziehen deshalb vorsichtshalber einen Abschlag ab. Dieser Abschlag ist oft größer als der tatsächliche Verschleiß.

Die Batterie: der Punkt, an dem du etwas ausrichten kannst

Beim Verbrenner schaut der Käufer auf den Kilometerstand. Beim E-Auto ist die wichtigere Zahl der State of Health (SoH) – die verbleibende nutzbare Kapazität der Batterie in Prozent. Ein Fahrzeug mit 120.000 Kilometern und 93 Prozent SoH ist mehr wert als eines mit 60.000 Kilometern und unbekanntem Akkuzustand.

Praktisch heißt das: Ein schriftlicher SoH-Nachweis, etwa aus einem Batterietest bei einer Prüforganisation oder Werkstatt, nimmt dem Käufer das größte Argument für einen Preisabschlag. Dazu gehören eine noch laufende, auf den Käufer übertragbare Akku-Garantie (bei den meisten Herstellern acht Jahre oder 160.000 Kilometer) und ein vollständiger Satz Ladekabel – Typ 2 und Schuko.

Wichtig: Bei einem gebrauchten E-Auto ist der Batteriezustand wichtiger als der Kilometerstand. Ein dokumentierter State of Health plus Restgarantie kann den erzielbaren Preis um einen vierstelligen Betrag heben – und ist das Einzige an diesem Thema, was du selbst in der Hand hast.

Nicht jedes E-Auto verliert gleich

Die 51,5 Prozent sind ein Mittelwert, und die Streuung darum ist groß. Zwei Beispiele für die beiden Enden:

  • Oben: Im „Wertmeister 2025" von Schwacke/Autovista hält der Volvo EX90 als Klassenbester der Elektro-SUV nach 36 Monaten 55,5 Prozent – besser als mancher Verbrenner in der Mittelklasse.
  • Unten: Bei chinesischen Marken fiel der durchschnittliche Restwert laut DAT von 61 Prozent Anfang 2024 auf 47,2 Prozent im April 2026 – mehr dazu unter Wertverlust chinesische Autos.

Was ein Modell nach oben oder unten bringt, ist am Ende Nachfrage: Marken mit verlässlichem Service-Netz, ehrlichem Listenpreis und knappem Angebot halten ihren Wert. Wo beim Neuwagen hohe Rabatte fließen, bricht der Gebrauchtpreis ein. Modellgenaue Zahlen stehen unter Porsche Taycan, VW ID.7 und BMW i4, i5 und iX.

Was das für dich heißt

Beim Kauf eines gebrauchten Stromers bekommst du derzeit ungewöhnlich viel Auto fürs Geld – der steile Verlust ist schon passiert und wiederholt sich nicht in gleicher Höhe. Achte auf Restgarantie der Batterie, einen dokumentierten SoH und darauf, dass die Ladeleistung noch zu deinem Alltag passt.

Beim Verkauf zählt ein realistischer Preis, der die aktuellen Listenpreise berücksichtigt – nicht den, den du selbst bezahlt hast. Ein Blick auf den heutigen Neupreis deines Modells ist dabei oft unangenehm, aber nötig. Wie sich Elektro und Verbrenner direkt gegenüberstehen, liest du unter E-Auto vs. Verbrenner.

Wird sich das bessern?

Vieles spricht dafür. Die drei stärksten Treiber des Verlusts waren einmalige Ereignisse: Die Förderung ist weg und kann nicht noch einmal wegfallen. Die großen Preissenkungen liegen hinter uns. Und die technischen Sprünge werden kleiner – von 300 auf 500 Kilometer Reichweite war ein Umbruch, von 500 auf 550 ist es keiner mehr. Je weniger ein Neuwagen einem drei Jahre alten Modell voraushat, desto langsamer entwertet sich der Gebrauchte.

Für dein konkretes Fahrzeug bringt dich eine Prognose auf Basis aktueller Angebote allerdings weiter als jede Antriebs-Statistik: Die Streuung innerhalb der E-Autos ist größer als der Abstand zum Verbrenner.

Quellen

  • DAT-Report 2026 – Restwerte dreijähriger Fahrzeuge nach Antriebsart
  • Carvago, Auswertung März 2026 – Erstzulassung 2022 gegen Angebotspreise Q4/2025, gleiche Baureihe Elektro vs. Verbrenner
  • Schwacke/Autovista, „Wertmeister 2025" – Klassensieger Elektro-SUV, 36 Monate / 60.000 km, Händler-Einkaufswerte
  • DAT – Restwertentwicklung chinesischer Elektro- und Plug-in-Modelle, Stand April 2026
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