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Taschenrechner und Unterlagen auf einem Tisch für den Kostenvergleich Auto

28. Oktober 2026 · 9 Min. Lesezeit

E-Auto vs. Verbrenner: Warum der Verbrenner teurer ist

Benziner und Diesel kosten im Betrieb mehr als ein E-Auto: Energie, Wartung und Steuer im Vergleich – mit Fünf-Jahres-Rechnung und offengelegten Annahmen.

„Ein E-Auto ist doch viel teurer." Dieser Satz stimmt – und er führt trotzdem in die Irre. Teurer ist fast immer der Aufkleberpreis beim Kauf. Was ein Auto über die Jahre wirklich kostet, entscheidet sich aber an der Zapfsäule, in der Werkstatt und beim Finanzamt. Dort dreht sich das Bild – und genau deshalb fährt ein Stromer am Ende oft günstiger als ein vergleichbarer Benziner oder Diesel.

Dieser Artikel rechnet die Gesamtkosten (englisch „Total Cost of Ownership") durch: Anschaffung, Energie, Wartung, Steuer und Wertverlust. Alle Beispiele gehen von 15.000 Kilometern im Jahr aus und legen ihre Annahmen offen – damit du sie auf deinen eigenen Fall übertragen kannst.

Zuerst die ehrliche Seite: der Kaufpreis

Fangen wir mit dem an, was gegen das E-Auto spricht. Seit der Umweltbonus Ende 2023 ausgelaufen ist, zahlst du den vollen Preis. Ein vergleichbar ausgestattetes Elektroauto kostet neu je nach Klasse grob 3.000 bis 8.000 Euro mehr als der Benziner darunter. Dazu kommt: E-Autos verlieren in den ersten drei Jahren prozentual mehr an Wert – rund 51,5 Prozent Restwert gegenüber 62,7 Prozent beim Benziner (DAT-Report 2026). Beides zusammen ist der Grund, warum der Stromer als „teuer" gilt. Die ganze Rechnung dazu steht unter E-Auto vs. Verbrenner Wertverlust.

Der höhere Einstieg ist real – aber er ist nur der halbe Film. Die zweite Hälfte spielt im laufenden Betrieb, und dort führt das E-Auto Jahr für Jahr.

Energie: der größte Hebel

Der mit Abstand wichtigste Posten im Alltag ist, was 100 Kilometer an Strom oder Sprit kosten. Mit realistischen Verbräuchen und Preisniveaus von 2026 (Benzin rund 1,80 €/l, Diesel 1,70 €/l, Haushaltsstrom 30 ct/kWh, Schnelllader 55 ct/kWh):

Antrieb / LademöglichkeitVerbrauch je 100 kmKosten / 100 km
Benziner7,0 l12,60 €
Diesel5,8 l9,86 €
E-Auto, Schnelllader18 kWh9,90 €
E-Auto, Wallbox zuhause18 kWh5,40 €

Das Entscheidende steht in der letzten Zeile: Wer zuhause lädt, fährt für gut die Hälfte eines Benziners. Auf 15.000 Kilometer im Jahr sind das rund 810 Euro Stromkosten gegenüber 1.890 Euro Sprit – über 1.000 Euro Unterschied pro Jahr. Wer dagegen nur am öffentlichen Schnelllader lädt, liegt fast auf Diesel-Niveau. Die eigene Lademöglichkeit ist damit der größte einzelne Kostenhebel des Elektroautos.

Ohne Wallbox oder Lademöglichkeit zuhause schrumpft der größte Spar-Vorteil des E-Autos zusammen. Rechne ehrlich: Kannst du über Nacht günstig laden – oder nicht?

Wartung und Verschleiß

Ein Elektromotor hat wenige bewegliche Teile. Kein Ölwechsel, kein Zahnriemen, keine Zündkerzen, keine Kupplung, keine Abgasanlage. Durch die Rekuperation – das Bremsen über den Motor – halten sogar die Bremsen länger. Was bleibt, sind Reifen, Bremsflüssigkeit, Innenraumfilter und die jährliche Durchsicht.

PostenVerbrennerElektroauto
Inspektion / Ölwechseljährlich, mit Öleinfacher, kein Öl
Zahnriemen / Kupplungteuer mit der Zeitentfällt
Abgasanlage / AUVerschleiß + Prüfungentfällt
Bremsennormaler Verschleißgeschont durch Rekuperation
Werkstatt grob / Jahr700 – 900 €300 – 450 €

Unterm Strich spart das E-Auto hier noch einmal grob 400 Euro im Jahr. Die großen Unbekannten bleiben die Batterie (abgedeckt durch meist acht Jahre Garantie) und die Versicherungssumme bei einem Schaden – dazu gleich mehr.

Steuer, Versicherung und THG-Quote

  • Kfz-Steuer: Reine Elektroautos sind von der Kfz-Steuer befreit – bei Erstzulassung bis Ende 2025 gilt die Befreiung längstens bis Ende 2030. Eine Verlängerung ist politisch im Gespräch, aber nicht beschlossen. Ein Verbrenner kostet je nach Hubraum und CO₂ typisch 100 bis 200 Euro im Jahr.
  • THG-Quote: Für ein E-Auto kannst du jährlich die Treibhausgas- Minderungsquote verkaufen. Der Erlös ist allerdings stark gesunken – aktuell eher 60 bis 100 Euro im Jahr, Tendenz fallend. Ein netter Bonus, aber kein Geschäft, auf das man bauen sollte.
  • Versicherung: Hier gibt es keinen pauschalen Sieger. Haftpflicht ist oft ähnlich, in der Kaskoversicherung können E-Autos wegen teurer Batterie und aufwändigerer Reparatur etwas teurer liegen. Vergleichen lohnt – der Unterschied hebt einen Teil des Steuervorteils wieder auf.

Die Fünf-Jahres-Rechnung

Setzen wir die laufenden Kosten über fünf Jahre und 75.000 Kilometer zusammen – Energie, Wartung und Steuer, ohne Anschaffung und Versicherung (die sich in etwa die Waage halten). Das E-Auto lädt in diesem Beispiel überwiegend zuhause:

Posten (5 Jahre)BenzinerE-Auto (Wallbox)
Energie / Sprit9.450 €4.050 €
Wartung & Verschleiß4.000 €1.900 €
Kfz-Steuer750 €0 €
THG-Quote (Gutschrift)—−400 €
Summe laufende Kosten14.200 €5.550 €

Das sind rund 8.600 Euro Vorteil für das E-Auto über fünf Jahre – allein im laufenden Betrieb. Damit ist klar, wie der Aufpreis beim Kauf wieder hereinkommt: Liegt der Stromer 5.000 bis 8.000 Euro höher im Einstieg, holt er diesen Nachteil über eine normale Haltedauer wieder auf und zieht danach vorbei – vorausgesetzt, du lädst günstig.

Die Faustregel: Das E-Auto kostet beim Kauf mehr, im Betrieb weniger. Ob sich der Aufpreis lohnt, hängt an zwei Zahlen: wie viele Kilometer du im Jahr fährst und ob du zuhause laden kannst. Viel fahren + günstig laden = das E-Auto gewinnt klar.

Für wen rechnet sich was?

  • Vielfahrer mit Wallbox: klarer Fall fürs E-Auto. Je mehr Kilometer, desto schneller spielt der Energievorteil den Kaufaufpreis wieder ein.
  • Stadtpendler mit Lademöglichkeit: ebenfalls günstiger elektrisch – die niedrige Wartung und die Steuerbefreiung wirken auch bei kleiner Jahresfahrleistung.
  • Wenigfahrer ohne eigene Lademöglichkeit: hier kippt die Rechnung. Ohne günstigen Heimstrom und bei wenig Kilometern amortisiert sich der Aufpreis kaum – ein sparsamer Verbrenner oder ein gebrauchtes E-Auto ist oft die bessere Wahl.
  • Langstrecken-Diesel: Wer regelmäßig weite Strecken am Stück fährt und selten laden kann, fährt mit einem sparsamen Diesel bei den Energiekosten weiter konkurrenzfähig – der Abstand ist hier am kleinsten.

Und der Wiederverkauf?

Ein Punkt, den die reine Betriebskosten-Rechnung ausblendet: der Wertverlust. Weil E-Autos die ersten Jahre prozentual stärker verlieren, frisst das einen Teil des Betriebsvorteils wieder auf – besonders, wenn du neu kaufst und früh wieder verkaufst. Kaufst du dagegen ein drei Jahre altes E-Auto gebraucht, bekommst du den steilen Erstverlust als Rabatt und kombinierst ihn mit den niedrigen Laufkosten. Das ist kostenseitig fast der Idealfall.

Wie viel dein konkretes Fahrzeug – ob Stromer oder Verbrenner – nach einigen Jahren noch wert ist, rechnet dir unser Restwert Rechner aus echten Marktdaten aus. Tiefer ins Thema geht der Elektroauto-Wertverlust und die Wertverlust-Tabelle nach Jahren.

Quellen & Annahmen

  • Energiepreise 2026 (Größenordnung): Benzin ~1,80 €/l, Diesel ~1,70 €/l, Haushaltsstrom ~30 ct/kWh, öffentlicher Schnelllader ~55 ct/kWh.
  • Verbräuche: Benziner 7,0 l, Diesel 5,8 l, E-Auto 18 kWh je 100 km (Realverbrauch inkl. Ladeverlusten).
  • Kfz-Steuer-Befreiung für reine E-Autos: Erstzulassung bis 31.12.2025, Befreiung längstens bis 31.12.2030 (§ 3d KraftStG); Verlängerung politisch diskutiert.
  • DAT-Report 2026 – Restwerte dreijähriger Fahrzeuge nach Antriebsart.
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