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Beigefarbener Porsche Taycan fährt auf einer nassen Straße

6. Oktober 2026 · 11 Min. Lesezeit

Porsche Taycan Wertverlust: 48,9 Prozent Restwert nach drei Jahren

Der Taycan hält von allen Porsche den geringsten Anteil seines Neupreises. Die Schwacke-Prognose, der Markenvergleich und der Sport Turismo.

Der Porsche Taycan ist ein hervorragendes Auto und eines der schlechtesten Geschäfte im Premiumsegment – beides gleichzeitig. Er hält von allen Porsche-Baureihen den geringsten Anteil seines Neupreises. Hier stehen die Prognosewerte, der Vergleich innerhalb der Marke und die Gründe.

Die Zahl: 48,9 Prozent nach drei Jahren

Schwacke erstellt Restwertprognosen über 36 Monate bei 20.000 Kilometern Jahresfahrleistung, bezogen auf den Händlerverkaufspreis an Privatkunden. Der Taycan landet darin bei 48,9 Prozent – er verliert also gut die Hälfte seines Werts in drei Jahren. Der Vergleich innerhalb derselben Marke macht die Zahl erst aussagekräftig:

Porsche-ModellAntriebRestwert nach 36 Monaten
911Benzin69,3 %
Cayenne CoupéBenzin64,1 %
Cayenne ElectricElektro53,9 %
PanameraBenzin / Hybrid52,3 %
MacanElektro51,5 %
TaycanElektro48,9 %

Zwischen 911 und Taycan liegen über 20 Prozentpunkte – innerhalb derselben Marke, bei vergleichbarer Verarbeitung und demselben Händlernetz. Auffällig ist die klare Trennlinie: Die drei Elektromodelle besetzen die hinteren Plätze, die Benziner die vorderen. Es ist also kein Taycan-Problem, sondern ein Problem teurer Elektroautos – der Taycan steht nur am äußersten Ende davon. Wie viel ein Auto im Schnitt nach drei Jahren noch wert ist, zeigt die Wertverlust-Tabelle nach Jahren.

Eine Prognose ist keine Messung: Die DAT kommt für den Taycan bei vergleichbarer Fahrleistung auf 54,6 Prozent – fast sechs Prozentpunkte über Schwacke. Zwei Häuser, zwei Methoden, zwei Zahlen. Nimm beide als Größenordnung und Rangfolge, nicht als Nachkommastelle. Die DAT-Werte im Vergleich mit anderen Elektromodellen stehen unter Wertverlust der Elektro-BMW.

Was das in Euro bedeutet

Prozente verschleiern bei diesen Preisen das Ausmaß. Ein Rechenbeispiel mit runden Zahlen (der tatsächliche Listenpreis hängt stark von Ausbaustufe und Optionen ab):

Listenpreis (Beispiel)Wert nach 3 JahrenVerlust
100.000 €48.900 €51.100 €
130.000 €63.570 €66.430 €
160.000 €78.240 €81.760 €

Bei 130.000 Euro sind das rund 1.845 Euro pro Monat, allein an Wertverlust – ohne Versicherung, Strom, Reifen und Wartung. Das ist mehr als die Leasingrate vieler Mittelklassewagen.

Besonders bitter: Hoch konfigurierte Exemplare verlieren absolut am meisten. Ein Taycan mit 30.000 Euro Sonderausstattung ist gebraucht fast nie 30.000 Euro mehr wert als ein nüchtern bestellter – der Prozentsatz wird auf den höheren Listenpreis angewendet, der Markt honoriert die Extras aber nur teilweise. Welche Ausstattung überhaupt Geld zurückbringt, steht unter Sonderausstattung und Wertverlust.

Der Turbo S als Extremfall

Für die Topversion berichteten Medien im März 2025 von einem Wertverlust bis zu 70 Prozent. Dazu gehört eine Einschränkung, die in den meisten Artikeln fehlt: Der Bezugszeitraum wird nicht veröffentlicht. Ob sich die 70 Prozent auf zwei, drei oder vier Jahre beziehen, lässt sich aus der Quelle nicht ableiten – die Zahl taugt deshalb als Warnsignal, nicht als Rechengrundlage.

Plausibel ist sie trotzdem: Der Turbo S startete bei den höchsten Listenpreisen der Baureihe und wurde überwiegend voll ausgestattet verkauft. Beide Effekte verstärken genau den Mechanismus aus dem Absatz oben.

Warum der Taycan so stark verliert

  • Das gesamte Premium-E-Segment ist eingebrochen: Laut DAT und AutoScout24 fiel der Restwert dreijähriger Premium-Elektroautos von knapp 70 Prozent Anfang 2023 auf 49 Prozent Ende 2024. Der Taycan folgt also einem Segmenttrend, er verursacht ihn nicht.
  • Die Modellpflege hat den Vorgänger entwertet: Mehr Reichweite und deutlich höhere Ladeleistung sind genau die Punkte, auf die Gebrauchtkäufer bei einem E-Auto schauen. Ein Vorfacelift-Taycan konkurriert mit einem Nachfolger, der ihm in beidem sichtbar überlegen ist.
  • Leasing-Rückläufer treffen gleichzeitig ein: Hochpreisige Fahrzeuge werden überwiegend geleast. Drei Jahre nach einem starken Verkaufsjahr landen die Verträge gebündelt auf dem Markt – viel Angebot, wenig Nachfrage.
  • Der Käuferkreis ist klein: Ein gebrauchter Taycan kostet auch nach dem Einbruch noch so viel, dass nur wenige ihn kaufen können. Dazu kommen die laufenden Kosten eines Porsche – Reifen, Bremsen, Wartung. Das schließt genau die Käufer aus, die der günstige Preis anlockt.
  • Unsicherheit über die Batterie: Bei einem Fahrzeug dieser Preisklasse ist ein möglicher Akkutausch der größte Posten überhaupt. Wer das nicht einschätzen kann, zieht vorsichtshalber ab – mehr dazu unter Elektroauto-Wertverlust.

Und der Taycan Sport Turismo?

Hier muss man ehrlich sein: Für die Kombivarianten Sport Turismo und Cross Turismo gibt es keine separat veröffentlichte Restwertprognose. Schwacke weist den Taycan als Baureihe aus. Die 48,9 Prozent sind damit der beste verfügbare Anhaltspunkt auch für diese Aufbauten – wer dir eine eigene Prozentzahl für den Sport Turismo nennt, hat sie geschätzt.

Was sich trotzdem sagen lässt, gilt für seltene Karosserievarianten generell:

  • Kleinere Stückzahl, kleinerer Käuferkreis. Das wirkt in beide Richtungen: weniger Konkurrenzangebote, wenn du verkaufst – aber auch längere Standzeiten, weil der passende Käufer seltener vorbeikommt.
  • Händler kalkulieren Seltenheit als Risiko. Beim Eintausch wirkt sich das meist negativ aus. Im Privatverkauf kann es dagegen ein Vorteil sein, weil genau dieser Aufbau gesucht wird.
  • Der Antriebsabschlag bleibt derselbe. Die Karosserie ändert nichts an Reichweite, Ladeleistung und Batterie – also an den Punkten, die den Einbruch verursachen.

Für Gebrauchtkäufer: der interessanteste Porsche am Markt

Dieselbe Zahl, andere Richtung gelesen: Ein drei Jahre alter Taycan kostet etwa die Hälfte, ist technisch unverändert und hat den steilsten Teil seiner Kurve hinter sich. Ein 911 bietet diesen Rabatt nie. Wenn du kaufst, prüfe:

  • State of Health der Batterie, schriftlich – bei diesem Fahrzeugwert nicht verhandelbar.
  • Restlaufzeit der Hochvolt-Garantie und ob sie auf dich übergeht.
  • Ladeleistung der jeweiligen Baustufe, weil sie den künftigen Restwert stärker bestimmt als Laufleistung oder Ausstattung.
  • Verschleißteile: Reifen und Bremsen eines Taycan kosten ein Vielfaches – ein fälliger Satz verschiebt die Rechnung schnell um einen vierstelligen Betrag.

Wenn du verkaufst

Der schwerste Teil ist, sich vom eigenen Kaufpreis zu lösen. Die Marktpreise richten sich am heutigen Listenpreis und am aktuellen Angebot aus, nicht an deiner Rechnung von vor drei Jahren. Ein Händlereintausch ist bei diesem Modell meist deutlich teurer als beim Privatverkauf, weil der Händler das Standzeitrisiko einpreist. Zum richtigen Zeitpunkt siehe bester Zeitpunkt zum Verkaufen.

Die Verbrenner-Pendants der Marke – 911 und Panamera – mit allen Zahlen stehen unter Porsche 911 und Panamera Wertverlust.

Quellen

  • Schwacke-Restwertprognose (veröffentlicht über AUTO BILD) – 36 Monate / 20.000 km pro Jahr, Basis Händlerverkaufspreis B2C; Prognose, keine Messung
  • DAT und AutoScout24 – Restwert dreijähriger Premium-Elektroautos, knapp 70 % (Anfang 2023) auf 49 % (Ende 2024)
  • Medienbericht vom März 2025 zum Taycan Turbo S („bis zu 70 Prozent") – Bezugszeitraum in der Quelle nicht angegeben
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